kibesuisse legt 10-Punkte-Programm für die familienergänzende Bildung und Betreuung vor
Die familienergänzende Bildung und Betreuung steht unter Druck: Die Finanzierung ist ungenügend, Fachkräfte fehlen und die Qualität muss weiterentwickelt werden. Das 10-Punkte-Programm von kibesuisse zeigt auf, welche politische Weichen der Verband gemeinsam mit Bund, Kantonen und Gemeinden stellen will, damit sich Familien auf zugängliche, bezahlbare und qualitativ hochwertige Angebote verlassen können.
Warum es jetzt ein 10-Punkte-Programm braucht
Die familienergänzende Bildung und Betreuung ist eine Grundlage für die Entwicklung der Kinder, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Funktionieren der ganzen Gesellschaft. Gleichzeitig ist die Branche mit Herausforderungen konfrontiert: der chronischen Unterfinanzierung, dem akuten Fachkräftemangel und der dringenden Weiterentwicklung der Qualität. Da Politik und Öffentlichkeit aktuell grosses Interesse an der familienergänzenden Bildung und Betreuung zeigen, will kibesuisse dieses Zeitfenster nutzen. Der Verband hat zehn Ziele definiert, um die notwendigen Veränderungen in der Branche auf allen politischen Ebenen umzusetzen.
Finanzierung als gemeinsame Verantwortung
Erstens fordert kibesuisse eine ausreichende, dauerhafte und vorhersehbare Finanzierung als Verbundaufgabe. Bund, Kantone, Gemeinden, Arbeitgebende und Eltern sollen die Kosten fair mittragen. Zweitens braucht es schweizweit definierte, gesetzlich verankerte und öffentlich finanzierte Qualitätsstandards für alle drei Betreuungsformen. Diese sind zentral, um die Qualität sichtbar zu machen, die Finanzierung nachvollziehbar zu gestalten und die Professionalisierung der Branche zu stärken. Drittens will kibesuisse die Behörden mit Empfehlungen zu geeigneten Subventionsmodellen unterstützen. Ziel ist es, dass diese Empfehlungen für eine bedarfsgerechte Umsetzung der Objekt- und Subjektfinanzierung berücksichtigt werden.
Qualifizierung stärken und Fachkräfte halten
Viertens setzt sich kibesuisse für mehr Qualifizierung in Kitas, schulergänzenden Tagesstrukturen und Tagesfamilienorganisationen ein. Langfristig sollen alle Mitarbeitenden, die im Betreuungsschlüssel eingerechnet werden, über eine eidgenössisch anerkannte Grundbildung verfügen. Dafür braucht es anforderungsgerechte Arbeitsbedingungen, attraktive Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und gute berufliche Perspektiven. Fünftens verlangt der Verband Rahmenbedingungen, die es erlauben, Fachpersonen für die Branche zu gewinnen und langfristig auch zu binden. Qualitativ gute Betreuung braucht stabile Teams, die wiederum das Kindeswohl stärken.
Zugang sichern und Wahlfreiheit ermöglichen
Sechstens fordert kibesuisse bedarfsgerechte, zugängliche und für alle Familien bezahlbare Angebote. Der Zugang darf nicht vom Wohnort der Familie abhängen. Die Kantone sollen Bedarf und Versorgungsgrad ermitteln und Angebote dort ausbauen, wo Nachfrage besteht. Siebtens sollen Familien schweizweit frei jene Betreuungsform wählen können, die dem Wohl ihres Kindes am besten entspricht. Dafür braucht es die gesetzliche und finanzielle Gleichwertigkeit von Kitas, schulergänzenden Tagesstrukturen und Tagesfamilienorganisationen.
Anerkennung, Bildung und einheitliche Aufsicht
Achtens will kibesuisse die gesellschaftliche und politische Anerkennung der Branche stärken. Der Verband nimmt klar Stellung, fördert die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und baut die familienzentrierte Vernetzung aus. Neuntens fordert kibesuisse, die familienergänzende Bildung und Betreuung als Teil des Bildungssystems anzuerkennen und administrativ im Bildungs- beziehungsweise Erziehungsbereich anzusiedeln. Die aktuelle Aufteilung der Zuständigkeiten auf verschiedene Ämter und Departemente ist dafür verantwortlich, dass die familienergänzende Bildung und Betreuung nicht ganzheitlich gedacht wird. Zehntens soll die Aufsichts- und Bewilligungskompetenz bei ausreichend ausgestatteten kantonalen Fachstellen liegen. Einheitliche Kriterien und schlanke Prozesse bedeuten mehr Qualität und Planungssicherheit sowie weniger administrativen Aufwand.
Politisch mehr bewegen
Mit dem 10-Punkte-Programm bündelt kibesuisse seine politische Arbeit für die kommenden Jahre. Auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene will der Verband seine Ziele in Gesetzgebungsprozesse, Vernehmlassungen und den politischen Dialog einbringen und umsetzen. Im Zentrum stehen Rahmenbedingungen, die Qualität sichern, das Kindeswohl wahren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken.