Ein bewegter Abstimmungssonntag für die Branche
Für die Branche der familienergänzenden Bildung und Betreuung standen am Abstimmungssonntag vom 14. Juni 2026 zwei relevante Vorlagen auf nationaler Ebene und eine auf kantonaler Ebene auf dem Programm. Während die Revision des Zivildienstgesetzes leider angenommen wurde, hat das Stimmvolk im Gegenzug die 10-Millionen-Initiative abgelehnt. Und im Kanton St. Gallen sagte das Stimmvolk Ja zur Totalrevision des Kinderbetreuungsgesetzes und damit auch zu einem einheitlichen Subventionierungssystem.
Die Stimmberechtigten haben am 14. Juni gleich über drei Vorlagen abgestimmt, die für den Verband Kinderbetreuung Schweiz (kibesuisse) relevant waren. Auf nationaler Ebene war es zum einen die Revision des Zivildienstgesetzes, gegen die sich kibesuisse als Teil einer breiten Allianz engagiert und das Referendum ergriffen hatte. Die Vorlage wurde äusserst knapp mit 52,5 Prozent angenommen.
Weniger Zivi-Einsätze trotz unverändert hohem Bedarf
kibesuisse bedauert dieses Ergebnis sehr. «Die Zivis werden für Einsätze in den Kindertagesstätten und schulergänzenden Tagesstrukturen fehlen, die auf diese Unterstützung so dringend angewiesen sind», erklärt Co-Präsidentin und SP-Ständerätin Franziska Roth. Durch die Annahme der Gesetzesrevision wird die Anzahl der Zulassungen zum Zivildienst um 40 Prozent gesenkt, obwohl der Bedarf mit Blick auf den akuten Fachkräfte- und Personalmangel in der Branche unverändert hoch ist. So haben Zivis im vergangenen Jahr rund 115'000 Diensttage im Bereich «Kinder» geleistet. Dazu zählen Einsätze in Heimen, Schulen und heilpädagogischen Einrichtungen, aber auch in Kindertagesstätten und schulergänzenden Tagesstrukturen. Die familienergänzende Bildung und Betreuung steht zudem an zweiter Stelle bei der Anzahl der Kurse im Zivildienst (vgl. Statistiken 2025 ZIVI).
Schädlicher Bevölkerungsdeckel ist vom Tisch
Ebenfalls eng wurde es bei der Volksinitiative der SVP «Keine 10-Millionen-Schweiz», die letztlich mit 54,8 Prozent von den Stimmberechtigten abgelehnt wurde. kibesuisse freut sich über das Nein zu dieser Vorlage. «Die Initiative hätte den Fachkräftemangel, der heute das grösste Problem der familienergänzenden Bildung und Betreuung ist, massiv verschärft», ordnet kibesuisse-Vorstandsmitglied Christina Hanke ein. In Bezug auf die Branchengruppe «Gesundheits- und Sozialwesen», zu der die familienergänzende Bildung und Betreuung gerechnet wird, wäre die Lücke mit minus 63'000 Beschäftigten erheblich gewesen (vgl. Bericht des Staatssekretariats für Migration). Zudem wären die Chancengerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefährdet gewesen. Es ist aber essenziell, dass sich Eltern unabhängig von ihrem Wohnort (Stichwort «Postleitzahlenlotterie») auf eine verlässliche, verfügbare und qualitativ gute Betreuung ihrer Kinder verlassen können.
Einheitliches Subventionierungssystem angenommen
Auch auf kantonaler Ebene hielt der Abstimmungssonntag ein aus Sicht von kibesuisse erfreuliches Ergebnis bereit. Das Stimmvolk im Kanton St. Gallen hat die Totalrevision des Gesetzes über Beiträge für die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung (KiBG) mit 57,8 Prozent angenommen. kibesuisse begrüsst ausdrücklich das Ja zu dieser Vorlage. Neu beteiligen sich sowohl der Kanton als auch die Gemeinden mit jeweils 10 Millionen Franken an der Finanzierung der familienergänzenden Bildung und Betreuung. Dadurch wird ein Mindestumfang definiert, um die Erziehungsberechtigten zu entlasten und ein einheitliches Subventionierungssystem zu garantieren. «Das Gesetz sorgt so nicht nur im ganzen Kanton für einen vereinheitlichten Zugang zu den Betreuungsangeboten, sondern auch für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf», erklärt Katrin Serries, Leiterin Region Ostschweiz und Liechtenstein bei kibesuisse. «Die Unterstützungsbeiträge entlasten Familien finanziell und geben ihnen Wahlfreiheit in Bezug auf die Betreuungsform für ihre Kinder.»
Weiterführende Infos
Newsbeitrag vom 18. Mai 2026: «Zivildienstgesetz-Revision: kibesuisse lehnt Vorlage ab»
Medienmitteilung vom 2. Juni 2026: «10-Millionen-Initiative: Vorlage schwächt Branche auf allen Ebenen»
Medienmitteilung vom 13. Mai 2026: «Kanton St. Gallen: kibesuisse empfiehlt ein Ja zur Totalrevision des KiBG»