16.06.2026

Kanton Aargau: Studie fordert mehr Geld für die familienergänzende Bildung und Betreuung – Politik zögert

Eine neue Studie im Kanton Aargau zeigt klar: Eine stärkere öffentliche Finanzierung der familienergänzenden Bildung und Betreuung verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, stärkt die Wirtschaft und erhöht die Chancengerechtigkeit. Dennoch setzt der Regierungsrat vorerst auf vergleichsweise zurückhaltende Massnahmen. Aus Sicht von kibesuisse, die an der Erarbeitung mitwirkte, geht dies an den wichtigsten Erkenntnissen der Untersuchung vorbei.

Deutlicher Handlungsbedarf

Der Bericht «Entwicklung Vereinbarkeitspolitik im Kanton Aargau» zeigt, dass der Kanton bei der familienergänzenden Bildung und Betreuung hinter vielen anderen Kantonen zurückliegt. Hohe Elternbeiträge, ein begrenztes Angebot und regionale Unterschiede erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bremsen die Erwerbstätigkeit. Für die Erarbeitung des Berichts war der Verband Kinderbetreuung Schweiz (kibesuisse) in der dazugehörigen Expertengruppe vertreten. 

Studie sieht Investitionen als Gewinn

Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass Investitionen der öffentlichen Hand in die familienergänzende Bildung und Betreuung volkswirtschaftlich sinnvoll sind. Günstigere Betreuungsangebote fördern insbesondere die Erwerbstätigkeit von Müttern, helfen gegen den Fachkräftemangel und verbessern die Entwicklungschancen von Kindern.

Tagesfamilien berücksichtigt – aber wenig sichtbar

Positiv bewertet kibesuisse, dass Tagesfamilienorganisationen in allen geprüften Finanzierungsmodellen berücksichtigt werden. Gleichzeitig kritisiert der Verband, dass ihre Bedeutung in der politischen Debatte kaum sichtbar ist, obwohl sie besonders in ländlichen Regionen eine wichtige Rolle spielen.

Politische Konsequenzen überzeugen nicht

Kritisch sieht kibesuisse die angekündigten nächsten Schritte des Regierungsrats. Dieser will sich vor allem auf befristete Anschubfinanzierungen und Betreuungszulagen konzentrieren. Die Studie hat jedoch ergeben, dass eine dauerhafte Mitfinanzierung der öffentlichen Hand die grössten positiven Effekte für Familien, Arbeitsmarkt und Wirtschaft erzielen würde.

Langfristige Finanzierung gefordert

Für kibesuisse bestätigt der Bericht, dass die familienergänzende Bildung und Betreuung zur gesellschaftlichen Grundversorgung gehört. Der Verband fordert deshalb eine langfristig gesicherte öffentliche Finanzierung, verbindliche Qualitätsstandards und gleiche Rahmenbedingungen für alle drei Betreuungsformen (Kindertagesstätten, schulergänzende Tagesstrukturen und Tagesfamilienorganisationen). Entscheidend wird nun sein, ob Politik und Behörden die Ergebnisse der Studie konsequent umsetzen.

Medienmitteilung des Departements Gesundheit und Soziales (DGS) vom 12. Juni 2026: «Regierungsrat sieht Handlungsbedarf bei der Finanzierung der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung»

Schlussbericht von econcept vom 5. März 2026: «Entwicklung Vereinbarkeitspolitik im Kanton Aargau: mögliche Finanzierungsvarianten»